Das Beste, was Schüler neben dem Lernen für die Prüfung oder dem Aufenthalt in der Disco tun können ist: Theater spielen! Wenn dann noch professionell ausgebildete Lehrer dazukommen, gute Themen vorgeschlagen werden und jeder Mitspieler die Chance erhält, im sozialen Zusammenhang der Theaterarbeit ganz neue Dimensionen der eigenen Persönlichkeit zu entdecken, andere Charaktere, fremde Kontexte und Weltperspektiven auszuprobieren und das eigene Leben daran zu messen, entstehen sehenswerte Inszenierungen und Theaterereignisse der “Extraklasse”.
Eine dieser Perlen im kulturellen Leben einer Stadt ist die Aufführung von “Bernarda Albas Haus” von Federico Garcia Lorca durch das “Freie Schülerensemble 3″ / Spielleitung Cornelia-Katrin von Plottnitz am 9.Juni.2007 im Frankfurter Künstlerhaus Mouson-Turm . Sieben junge Schauspielerinnen geben dem Stück von der traurigen Gefangenschaft der fünf Töchter im Haus ihrer übermächtig despotischen Mutter Alba einen ungeheuer einfallsreich inszenierten, unterhaltsamen und amüsanten Verlauf. Der Zuschauer vergisst über weite Strecken, dass die Handlung von Lorcas Stück eigentlich außer dem sehnsüchtigen Warten der fünf Töchter auf einen geeigneten Bräutigam und der Unzufriedenheit mit einem Leben, dass schon zu Ende zu sein droht, bevor es angefangen hat, wenig zu bieten hat.
Oder ist es gerade die erdrückende Monotonie der achtjährigen (!) Trauer um den verstorbenen Vater, die strengen Vorschriften zur Erhaltung der Familienehre, der Reiz des Verbotenen, der die Spannung in “Bernarda Albas Haus” ausmacht? Unter der Decke des scheinbaren Wohlverhaltens, des Gehorsams gegenüber den Befehlen der Mutter entwickeln die jungen Darstellerinnen der Frankfurter Inszenierung ein lebendiges, begeistertes Spiel, dem sich der Zuschauer keinen Moment entziehen kann. (Der Kaperbrief, 10.6.2007, Stephan Fröhder, kaperbrief.de)



