| Palermo, den 12. April |
|
|
|
|
Palermo, Donnerstag, den 12. April 1787. Man zeigte uns heute das Medaillenkabinett des Prinzen Torremuzza. Gewissermaßen ging ich ungern hin. Ich verstehe von diesem Fach zu wenig, und ein bloß neugieriger Reisender ist wahren Kennern und Liebhabern verhaßt. Da man aber doch einmal anfangen muß, so bequemte ich mich und hatte davon viel Vergnügen und Vorteil. Welch ein Gewinn, wenn man auch nur vorläufig übersieht, wie die alte Welt mit Städten übersäet war, deren kleinste, wo nicht eine ganze Reihe der Kunstgeschichte, wenigstens doch einige Epochen derselben uns in köstlichen Münzen hinterließ. Aus diesen Schubkasten lacht uns ein unendlicher Frühling von Blüten und Früchten der Kunst, eines in höherem Sinne geführten Lebensgewerbes und was nicht alles noch mehr hervor. Der Glanz der sizilischen Städte, jetzt verdunkelt, glänzt aus diesen geformten Metallen wieder frisch entgegen. Heute am Abend ward mir noch ein Wunsch erfüllt, und zwar auf eigene Weise. Ich stand in der großen Straße auf den Schrittsteinen, an jenem Laden mit dem Kaufherrn scherzend; auf einmal tritt ein Laufer, groß, wohlgekleidet, an mich heran, einen silbernen Teller rasch vorhaltend, worauf mehrere Kupferpfennige, wenige Silberstücke lagen. Da ich nicht wußte, was es heißen solle, so zuckte ich, den Kopf duckend, die Achseln, das gewöhnliche Zeichen, wodurch man sich lossagt, man mag nun Antrag oder Frage nicht verstehen, oder nicht wollen. Ebenso schnell, als er gekommen, war er fort, und nun bemerkte ich auf der entgegengesetzten Seite der Straße seinen Kameraden in gleicher Beschäftigung. Was das bedeute, fragte ich den Handelsmann, der mit bedenklicher Gebärde, gleichsam verstohlen, auf einen langen, hagern Herrn deutete, welcher in der Straßenmitte, hofmäßig gekleidet, anständig und gelassen über den Mist einherschritt. Frisiert und gepudert, den Hut unter dem Arm, in seidenem Gewande, den Degen an der Seite, ein nettes Fußwerk mit Steinschnallen geziert: so trat der Bejahrte ernst und ruhig einher; aller Augen waren auf ihn gerichtet. »Dies ist der Prinz Pallagonia«, sagte der Händler, »welcher von Zeit zu Zeit durch die Stadt geht und für die in der Barbarei gefangenen Sklaven ein Lösegeld zusammenheischt. Zwar beträgt dieses Einsammeln niemals viel, aber der Gegenstand bleibt doch im Andenken, und oft vermachen diejenigen, welche bei Lebzeiten zurückhielten, schöne Summen zu solchem Zweck. Schon viele Jahre ist der Prinz Vorsteher dieser Anstalt und hat unendlich viel Gutes gestiftet!« »Statt auf die Torheiten seines Landsitzes«, rief ich aus, »hätte er hierher jene großen Summen verwenden sollen. Kein Fürst in der Welt hätte mehr geleistet.« Dagegen sagte der Kaufmann: »Sind wir doch alle so! Unsere Narrheiten bezahlen wir gar gerne selbst, zu unsern Tugenden sollen andere das Geld hergeben.« [Goethe: Italienische Reise, S. 398 ff. Digitale Bibliothek Band 1: Deutsche Literatur, S. 56911 (vgl. Goethe-HA Bd. 11, S. 249 ff.)] |
| < zurück | weiter > |
|---|
| goethe2day : das neue Goetheportal ... |
| goethenews |
| Theaterkritik national |
| Oper |
| Goethe-Events national |
| Goethe-Quiz |
| Schule und Hochschule |
| Goethe im Radio |
| Presse |
| Impressum |
| Kontakt - Contact us |
Weblinks*
| Weblinks |
| Faust |
| Theaterkritik |
| Goethe im Internet |
| Deutsch I |
| Mozart im Web |
| Kunst und Kultur - national |
| goethe ffm |
Anmeldung
Latest News - Goethe in Italien..
- Die abgezählte Zeit - Werthers Leiden in Frankfurt 2010
- Die Medialisierung des Wlihelm Meister - Podiumsdiskussion SCHAUSPIEL FRANFURT 2010
- Eine einzige Verweigerung von jeglicher Spannung hr2
- Beim Lesen des Programmhefts Goethes Wilhelm Meister Frankfurt 2010
- Eine Theatralische Sendung - Goethes Wilhelm Meister im SCHAUSPIEL FRANKFURT 2010
- Am 28. August....
- Goethe-Festwoche Frankfurt 2010
- Faust in Bad Hersfeld II
- Rom, den 30 Juni 1787
- Rom, den 27. Juni 1787
- Rom, Ende Juni 1787
- Rom, den 20. Juni 1787
- Am 19. Juni...
- Rom, den 16. Juni 1787
- Tagebuch 9. Juni 2007
- Neapel, den 22. Mai 1787
- Neapel, den 18. Mai 1787
- Neapel, den 17. Mai 1787
- Mailied I
- ...den 30. April 1787
- Walpurgisnacht*
- Girgenti*
- Girgenti, den 26. April 1787
- Girgenti, den 25. April 1787
Tipps zur optimalen Nutzung von goethe2day.de
Bitte benutzen Sie zum Drucken die pdf-Funktion. Danke!goethe2day empfiehlt Ihnen als Browser









