| Neapel, den 17. Mai 1787 |
|
|
|
|
An Herder. / Hier bin ich wieder, meine Lieben, frisch und gesund. Ich habe die Reise durch Sizilien leicht und schnell getrieben, wenn ich wiederkomme, sollt Ihr beurteilen, wie ich gesehen habe. ... je mehr ich die Welt sehe, desto weniger kann ich hoffen, daß die Menschheit je eine weise, kluge, glückliche Masse werden könne. Vielleicht ist unter den Millionen Welten eine, die sich dieses Vorzugs rühmen kann; bei der Konstitution der unsrigen bleibt mir so wenig für sie, als für Sizilien bei der seinigen zu hoffen. In einem beiliegenden Blatte sag' ich etwas über den Weg nach Salerno und über Pästum selbst; es ist die letzte und, fast möcht' ich sagen, herrlichste Idee, die ich nun nordwärts vollständig mitnehme. Auch ist der mittlere Tempel nach meiner Meinung allem vorzuziehen, was man noch in Sizilien sieht. Was den Homer betrifft, ist mir wie eine Decke von den Augen gefallen. (...) Nun ich alle diese Küsten und Vorgebirge, Golfe und Buchten, Inseln und Erdzungen, Felsen und Sandstreifen, buschige Hügel, sanfte Weiden, fruchtbare Felder, geschmückte Gärten, gepflegte Bäume, hängende Reben, Wolkenberge und immer heitere Ebnen, Klippen und Bänke und das alles umgebende Meer mit so vielen Abwechselungen und Mannigfaltigkeiten im Geiste gegenwärtig habe, nun ist mir erst die Odyssee ein lebendiges Wort. Ferner muß ich Dir vertrauen, daß ich dem Geheimnis der Pflanzenzeugung und -organisation ganz nahe bin und daß es das einfachste ist, was nur gedacht werden kann. Unter diesem Himmel kann man die schönsten Beobachtungen machen. Den Hauptpunkt, wo der Keim steckt, habe ich ganz klar und zweifellos gefunden; alles übrige seh' ich auch schon im ganzen, und nur noch einige Punkte müssen bestimmter werden. Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt, die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten und nicht etwa malerische oder dichterische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen. Goethe: Italienische Reise, S. 517 ff., vgl. Goethe-HA Bd. 11, S. 322 ff.) |
| < zurück | weiter > |
|---|
| goethe2day : das neue Goetheportal ... |
| goethenews |
| Theaterkritik national |
| Oper |
| Goethe-Events national |
| Goethe-Quiz |
| Schule und Hochschule |
| Goethe im Radio |
| Presse |
| Impressum |
| Kontakt - Contact us |
Weblinks*
| Weblinks |
| Faust |
| Theaterkritik |
| Goethe im Internet |
| Deutsch I |
| Mozart im Web |
| Kunst und Kultur - national |
| goethe ffm |
Anmeldung
Latest News - Goethe in Italien..
- Die abgezählte Zeit - Werthers Leiden in Frankfurt 2010
- Die Medialisierung des Wlihelm Meister - Podiumsdiskussion SCHAUSPIEL FRANFURT 2010
- Eine einzige Verweigerung von jeglicher Spannung hr2
- Beim Lesen des Programmhefts Goethes Wilhelm Meister Frankfurt 2010
- Eine Theatralische Sendung - Goethes Wilhelm Meister im SCHAUSPIEL FRANKFURT 2010
- Am 28. August....
- Goethe-Festwoche Frankfurt 2010
- Faust in Bad Hersfeld II
- Rom, den 30 Juni 1787
- Rom, den 27. Juni 1787
- Rom, Ende Juni 1787
- Rom, den 20. Juni 1787
- Am 19. Juni...
- Rom, den 16. Juni 1787
- Tagebuch 9. Juni 2007
- Neapel, den 22. Mai 1787
- Neapel, den 18. Mai 1787
- Neapel, den 17. Mai 1787
- Mailied I
- ...den 30. April 1787
- Walpurgisnacht*
- Girgenti*
- Girgenti, den 26. April 1787
- Girgenti, den 25. April 1787
Tipps zur optimalen Nutzung von goethe2day.de
Bitte benutzen Sie zum Drucken die pdf-Funktion. Danke!goethe2day empfiehlt Ihnen als Browser



